labyrinth

Maga. Heidi Dejakum

Praxis für Psychotherapie und Hypnosystemische Kompetenzentfaltung

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Der erste Preis

Ein Schotte geht jeden Tag in die Kirche und betet zu Gott. "Lieber Gott, der Du bist im Himmel, und der Du allmächtig bist und alle Dinge lenkst, erbarme Dich meiner und gib mir den ersten Preis in der Lotterie, bitte gib mir den ersten Preis in der Lotterie."

So geht das Wochen, Monate und Jahre. Tag für Tag geht der Schotte in die Kirche und betet: " Lieber Gott, der Du bist im Himmel, bitte gib mir den ersten Preis in der Lotterie, bitte gib mir den ersten Preis in der Lotterie."

Eines Tages geht plötzlich der Himmel auf und es erscheint ihm ein helles Licht. Da wird ihm ganz warm, und er hört eine Stimme, und die Stimme spricht: "Bitte gib mir ne Chance, kauf Dir endlich ein Los."





Den Tiger fernhalten

Nasrudin streute Hände von Brotkrumen rings ums Haus. „Was machst du denn da?“, fragte ihn jemand. „Die Tiger fernhalten.“ „Aber in dieser Gegend gibt es keine Tiger.“ – „Ja, eben! Das Mittel wirkt, nicht wahr?!“





Der Tempel der tausend Spiegel

Einst kam ein Hund in den Tempel der tausend Spiegel und erblickte tausend andere Hunde, die ihn anschauten. Da begann er unruhig zu werden und sich misstrauisch umzuschauen, und tausend andere Hunde wurden unruhig und schauten sich misstrauisch um. Da begann er die Augenbrauen zusammen zu ziehen und zu knurren und tausend andere Hunde zogen die Augenbrauen zusammen und knurrten.

Da begann er wütend zu werden und fletschte die Zähne und tausend andere Hunde wurden wütend und fletschten die Zähne. Da begann er zu bellen und versuchte zähnefletschend zu zu beißen und tausend andere Hunde begannen zu bellen und versuchten zähnefletschend zu zu beißen. Da packte ihn die Angst, und er stürzte in Panik aus dem Tempel.

Ein weiterer Hund kam in den Tempel der tausend Spiegel und erblickte tausend andere Hunde, die ihn anschauten. Da erhob er erfreut den Kopf und tausend andere Hunde hoben erfreut den Kopf. Da begann er freundlich zu schauen und tausend andere Hunde schauten ihn freundlich an. Da begann er voller Freude mit dem Schwanz zu wedeln und tausend andere Hunde wedelten voller Freude mit dem Schwanz.

Welch schöne Erfahrung, dachte er bei sich, und ging gut gelaunt aus dem Tempel der tausend Spiegel.





Eine Geschichte, die Trost spenden soll - für alle die Trost brauchen!

Die traurige Traurigkeit von Inge Wuthe

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"

Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüstere die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.

"Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

"Du kennst mich?", fragte die Traurigkeit misstrauisch.

"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."

"Ja, aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"

"Warum sollte ich vor die davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"

"Ich... Ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."

Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."

Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."

"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solchen Menschen sind mir schon oft begegnet."





Sprung in der Schüssel

Eine Frau hatte zwei Schüsseln, mit denen sie Wasser holte, und die sie an einer Stange über ihren Schultern trug. Die eine Schüssel war makellos. Die andere hatte einen Sprung, so dass beständig Wasser aus ihr tropfte.

Die makellose Schüssel war stolz auf ihre Vollkommenheit, während die andere Schüssel sich wegen ihres Makels schämte.

Nach einiger Zeit sprach die Schüssel zu der Frau: „Ich schäme mich wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser tropft.“

„Das finde ich in Ordnung“, antwortete die Frau, „auf der Seite, wo du tropfst, sind schöne Blumen gewachsen und es freut mich, wenn ich an ihnen vorbei gehe.“





Wahre Liebe

Einst verliebte sich ein Frosch in eine Maus und auch die Maus fand an dem Frosch Gefallen und erwiderte seine Liebe. Beide hatten sehr verschiedene Arten zu leben und hatten sich viel zu erzählen. Des Abends wenn sie zusammensaßen, erzählte der Frosch von seinem tiefen Teich und all den Dingen, die es darin zu sehen und zu finden gab. Er erzählte von den Fischen und dem alten Seehecht, der auf dem Grund des Teiches lebte und all den Gefahren, die er schon durchgestanden hatte. Die Maus liebte diese Geschichten und fand sie faszinierend und spannend. Sie konnte ihm einfach stundenlang zuhören. Sie erzählte ihrerseits davon, wie man gefräßigen Katzen entkommt, wie man Vorräte für den Winter zusammensammelt, und wie man tiefe Gänge in die Erde gräbt, und das es gut ist, immer einen zusätzlichen Gang zu graben, falls der Hauptgang einmal verschüttet ist, oder gerade ein bedrohlicher Feind davor wartet. Manchmal ist es einfach gut, wenn man durch einen Hinterausgang verschwinden kann. Wie sie so erzählten kam der Frosch auf den Gedanken, die Maus könne ihm einmal durch den Hinterausgang entschwinden, und da er sie doch so sehr liebte, begann er zunehmend unruhiger zu werden. Dies merkte die Maus und fragte den Frosch, was ihn beunruhige. Der Frosch mochte nicht so recht erklären, was ihn so unruhig machte und sprach schließlich: "Weißt Du, manchmal bekomme ich Angst, wir könnten uns verlieren, und ich liebe Dich doch so!" "Ach diese Angst habe ich auch manchmal," sprach da die Maus, denn sie fürchtete, der Frosch könne ihr irgendwann entspringen und auf nimmer Wiedersehen in den tiefen Teich abtauchen. "Aber wir könnten doch unsere Hände zusammenbinden, dann könnten wir uns nie verlieren", sprach der Frosch und der Maus war es nur recht, und so banden sie ihre Hände zusammen, die Maus die rechte und der Frosch die linke. Nun fühlten sie sich schon wesentlich sicherer, nur zusammen zu gehen machte nun einige Probleme. So wollte der Frosch oft hüpfen und hatte Schwierigkeiten mit den kleinen Schritten der Maus, die ihrerseits durch den unregelmäßigen Gang des Frosches immer wieder aus ihrem Rhythmus kam und ins Stolpern geriet. Auch konnte die Maus nicht mehr in ihre Gänge schlüpfen, denn der Frosch war zu ungelenk, um sich durch die schmalen Gänge zu zwängen und war es ihm doch einmal gelungen, so stieß er fortwährend mit seinem Kopf an, da er das Hüpfen einfach nicht lassen konnte. Die Maus hielt das Hüpfen für eine schlechte Angewohnheit und meinte, daß es dem Frosch schon gelingen könne, anständig zu laufen. Er müsse nur ernsthaft den Willen haben, das Hüpfen aufzugeben, denn wo ein Wille sei, da sei auch ein Weg. Und sie erzählte ihm, wie schwer es manchmal gewesen sei, sich durch harten Boden einen Gang zu graben und das man, wenn man nur will, mit den scharfen Mausezähnen, die härtesten Dinge durchknabbern kann, und der Frosch versprach es wirklich ernsthaft zu versuchen. "Ja," sprach die Maus, "es ist wirklich schwierig in der Liebe, doch wenn man sich wirklich liebt, arbeitet man aneinander und versucht dem anderen zu helfen, damit er sich weiterentwickeln und seine schlechten Eigenschaften abstreifen kann." Der Frosch wiederum versuchte die Maus zu überzeugen, daß es ein Genuß sei, mit einem hohen Bogen in den Teich zu springen und durch die tiefen Fluten hinab zum Grund zu tauchen, um dort in alte weggeworfene Lederstiefel zu schlüpfen und die Fische an sich vorbeischwimmen zu lassen, doch die Maus hatte Angst vor dem Wasser. Der Frosch aber war der Ansicht: Wenn man nur wirklich bereit sei, die Angst zu überwinden, würde es schon klappen, denn aller Anfang sei schwer. Doch die Maus war nicht bereit ihre Angst zu überwinden. Dies alles tat ihrer Liebe jedoch keinen Abbruch, und sie liebten sich weiterhin inniglich. Nach einer Weile sprach jedoch die Maus: "Weißt Du ich kann Deine rechte Hand nicht sehen." Und in der Liebe sollte man sich doch alles sagen und ganz offen zueinander sein, und da sei es doch nicht in Ordnung, wenn man bestimmte Dinge voreinander versteckt. Der Frosch fand dies auch, denn in der Liebe möchte man an allem teilhaben und alles, alles wissen, was der andere tut, und so banden sie die anderen Hände auch noch zusammen. Das Gehen wurde natürlich noch beschwerlicher, aber wo wahre Liebe ist, erträgt man jegliche Unangehmlichkeiten, denn jede Schwierigkeit schmiedet einen nur fester zusammen. Das Leben wurde ein wenig eintöniger, denn der Frosch konnte nicht mehr von seinen neuen Erlebnissen im See erzählen und die Maus wußte auch nichts neues zu berichten, da sie nun alles zusammen machten. So erzählte der Frosch von früheren Zeiten, wo er noch im See umhergeschwommen ist, doch nach einer Weile kannte die Maus alle Geschichten und wurde zunehmend ungehalten, wenn der Frosch schon wieder mit seinen alten Seeerlebnissen anfing. Doch auch die Maus konnte nur noch von Dingen berichten, die sie früher erlebt hatte, und meist kannte der Frosch die Geschichte schon und hörte garnicht mehr richtig zu. "Nie hörst du mir zu, du beachtest mich überhaupt nicht mehr," beschwerte sich die Maus, denn wenn man sich wirklich liebt, schenkt man dem anderen alle Aufmerksamkeit. "Ach," sprach der Frosch, "es liegt wohl daran, daß ich in der letzten Zeit, so müde bin, es ist bestimmt das Wetter, es hat wirklich nichts mit Dir zu tun." Doch die Maus meinte: Wenn man jemanden wirklich liebt, hört man ihm auch zu, wenn man müde ist. Obwohl sie sich nichts mehr zu erzählen hatten, liebten sie sich immer noch und die Maus meinte, daß wahre Liebe ist, wenn man zusammen schweigen kann und sich Verliebte auch ohne Worte verstehen, und der Frosch fügte hinzu: Gerade ohne Worte, denn Reden ist Silber und Schweigen ist Gold. Doch bei aller Liebe und allem Bemühen wollte dem Frosch der gleichmäßige Gang nicht gelingen, und wer sich wirklich liebt, macht doch alles gemeinsam. Und da die Maus nicht aufhören wollte, das beständige Gehüpfe des Frosches zu bemängeln, denn sie wollte nur das Beste für den Frosch, und er andererseits ihr es doch wirklich recht machen wollte, denn wenn man jemanden liebt, möchte man dem anderen jeden Gefallen tun, kam der Frosch auf die Idee: "Wir könnten, doch auch eins unserer Beine zusammenbinden, dann können wir noch besser alles zusammen machen, und ist es in der Liebe nicht so, daß man alles gemeinsam tun will?" Gesagt getan und wie der Frosch es im Geheimen vermutet hatte, hatte es nun mit dem Hüpfen ein Ende. Zwar kamen beide nun nur noch unter großen Mühen und sehr langsam voran, aber sie wußten nun, daß sie richtig zusammengehörten und was ist schöner in der Liebe, als zu wissen, daß man wirklich zusammen gehört. "Laß uns das andere Bein auch noch zusammenbinden" sprach da die Maus. "Meinst Du wirklich wir sollten das tun?" fragte der Frosch, denn er war nicht mehr sicher, daß sie das Richtige taten. "Du liebst mich doch?" fragte die Maus. "Ja, ja natürlich" sagte der Frosch und sie banden die anderen Beine auch noch zusammen, und was ist schöner an der Liebe, als wenn man unzertrennlich ist. Aber das war nicht gut, denn nun konnten sie sich garnicht mehr bewegen. So verharrten sie starr und unbeweglich, und auch ihre heiße Liebe schien allmählich abzukühlen. Ja sie führten ein wahrhaft erbärmliches Leben, bis sie schließlich starben, und das war schon bald, denn als der eine starb, starb auch der andere. "Ja, ja" sagte der alte Waldbär, - und da hatte er verdammt recht.





Die Kraft der Wärme

Einst stritten sich die Sonne und der Wind darüber, wer von ihnen am ehesten in der Lage sei, einem Wanderer seinen Mantel auszuziehen. Der Wind meinte, da er stärker sei und mehr Kraft habe, werde es nur ihm gelingen, dem Wanderer seinen Mantel zu nehmen. Er strengte sich an und blies und blies und entfachte einen fürchterlichen Sturm. Doch der Wanderer stemmte sich gegen den Wind und hielt seinen Mantel immer fester, und so stark der Wind auch blies, er war nicht in der Lage, dem Wanderer den Mantel zu entreißen. Nun war die Sonne an der Reihe. Sie begann sanft und mild zu lächeln, sie lächelte und lächelte, und dem Wanderer wurde wärmer und wärmer. Und schließlich zog er seinen Mantel aus.





Zwei Wölfe

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Der Alte sagt nach einer Weile des Schweigens:

"Weißt Du, im Leben ist es oft so, als ob zwei Wölfe im Herzen miteinander kämpfen. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."

"Welcher der beiden gewinnt den Kampf um das Herz?" fragt der Junge.

"Der Wolf, den man füttert." antwortet der Alte.